Am 14. und 15. Juli 2021 verwandelte sich die Ahr innerhalb weniger Stunden von einem kleinen Fluss in eine tödliche Flutwelle. Es war die schwerste Naturkatastrophe in Deutschland seit der Sturmflut von 1962.
Aufnahme aus einer betroffenen Ortschaft im Ahrtal nach dem Hochwasser
184+
Todesopfer in Deutschland
135
davon im Kreis Ahrweiler
€46 Mrd.
geschätzter Gesamtschaden
154 mm
Regen in 24 Std. in Köln
Was geschah
Ein Jahrhundertregen auf gesättigten Boden
Das Tiefdruckgebiet „Bernd" blieb zwei Tage lang über Westdeutschland stehen. In Reifferscheid fielen 207 mm Regen innerhalb von neun Stunden. Weil die Böden nach einem bereits nassen Juni gesättigt waren, floss das Wasser oberflächlich ab, statt zu versickern — mit dramatischen Folgen für das enge Ahrtal.
Am Pegel Altenahr stieg der Wasserstand in der Nacht vom 14. auf den 15. Juli auf einen historischen Höchststand. Der Deutsche Wetterdienst bezeichnete die Regenmengen in einigen Regionen als die höchsten seit über 100, möglicherweise seit 1000 Jahren.
Betroffene Flusssysteme
Nicht nur die Ahr
Ahr
135 Tote
Am stärksten betroffen. Der Fluss riss ganze Ortschaften wie Schuld, Dernau und Altenahr mit sich.
Erft
47 Tote
In Nordrhein-Westfalen, davon 27 allein im Kreis Euskirchen.
Weitere
2 Tote
Auch in Bayern kam es zu tödlichen Überflutungen durch dasselbe Wettersystem.
Zeitlicher Ablauf
Vom ersten Warnhinweis zur Katastrophe
11. Juli
Der europäische Wetterdienst ECMWF warnt erstmals vor starkem Regen; der DWD sagt bis zu 200 mm für Westdeutschland voraus.
14. Juli, 08:00–10:00 Uhr
Der Wasserstand am Pegel Müsch beginnt zu steigen.
14. Juli, ca. 20:00–22:00 Uhr
Höchststand am Pegel Müsch. Der Abfluss steigt innerhalb weniger Stunden von rund 100 auf über 1000 m³/s.
15. Juli, 00:00–01:00 Uhr
Höchststand am Pegel Altenahr, weiter flussabwärts. Mobilfunknetze fallen aus, Evakuierungen werden erheblich erschwert.
Folgetage
Rund 200.000 Haushalte in NRW und Rheinland-Pfalz sind ohne Strom. Straßen und Bahnstrecken bleiben tagelang unpassierbar.
Einordnung
Warum so viele Menschenleben verloren gingen
Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass 75 % der Todesfälle außerhalb der amtlich ausgewiesenen Hochwasser-Gefahrenzonen auftraten. Besonders betroffen waren Menschen im Erdgeschoss von Gebäuden (37 %) und auf offener Straße (18 %). Frühwarnung und Evakuierung liefen vielerorts zu spät oder unvollständig ab.
Eine Attributionsstudie von World Weather Attribution kommt zu dem Schluss, dass menschengemachter Klimawandel die Wahrscheinlichkeit und Intensität solcher Starkregenereignisse in Westeuropa nachweisbar erhöht hat.
Wie helfen
Verifizierte Hilfsorganisationen
Der Wiederaufbau im Ahrtal dauert bis heute an. Diese Organisationen sind etablierte, geprüfte Anlaufstellen für Spenden.
Aktion Deutschland Hilft
Bündnis von 25+ deutschen Hilfsorganisationen, koordiniert Soforthilfe und langfristigen Wiederaufbau in Flutgebieten.
Wikipedia — 2021 European floods · World Weather Attribution — Rapid attribution study, Aug 2021 · Natural Hazards and Earth System Sciences (NHESS), Copernicus — Vorogushyn et al., Causes of the exceptionally high number of fatalities in the Ahr valley · PreventionWeb / EM-DAT, 2021 · Statista — Floods in Germany